Lerne Nein zu sagen

Wie gut können Sie Nein sagen? 

Oft fällt es uns schwer, Nein zu sagen. Das hat unterschiedliche Gründe: Einmal haben wir gelernt, bescheiden und anpassungsfähig zu sein. Und dann haben wir bestimmte Ängste, etwas zu verlieren – den Job, Kunden, Freunde. Um hier kein Risiko einzugehen, sagen wir lieber »Ja«. Allerdings verbringen wir durch das Jasagen jede Menge Zeit mit Dingen, die wir überhaupt nicht wollen: Am Arbeitsplatz bearbeiten wir aus Gefälligkeit Aufgaben, für die wir nicht zuständig sind; im Freundeskreis kümmern wir uns um alles Mögliche, weil es sonst niemand tut; und in der Familie erledigen wir Dinge, weil sie sonst liegen bleiben. Wie kommen Sie aus dieser Falle raus?

 

Warum wir lieber Ja sagen

Es gibt viele Situationen, in denen wir gerne Nein sagen würden – und es nicht tun. Warum ist das so? Der Grund dafür sind Bedenken oder sogar Ängste. Dazu zwei Beispiele:

 

Angst vor Ablehnung

Wir befürchten, dass wir andere Menschen verärgern, wenn wir etwas nicht tun. Unsere Sorge ist: Andere könnten uns dann nicht mehr so sympathisch finden und uns möglicherweise nicht mehr einladen. Am Arbeitsplatz befürchten wir, dass uns der Kollegenkreis ausgrenzt, wenn wir mal Nein sagen.

Führt Ihr Nein zu solchen Ergebnissen? Dann sollten Sie sich fragen, wie wichtig Ihnen Freunde und Kollegen sind, die Sie wegen Ihres Neins als Menschen ablehnen.

 

Angst vor Konflikten 

Wenn wir etwas ablehnen, fürchten wir auch oft eine Auseinandersetzung. Häufig ist der Grund dafür fehlende Klarheit, was genau am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein oder wo auch immer zu unseren wirklichen Aufgaben gehört.

Klären Sie diese Fragen, dann können Sie Konflikte von vornherein vermeiden. Je klarer Ihre Vorstellung von Ihren Aufgaben ist, desto klarer können Sie sich abgrenzen. Sollen Sie zum Beispiel im Verein bei Versammlungen das Protokoll führen, dann machen Sie deutlich, dass Sie nur dafür verantwortlich sind. Um die Einladungen und um die Sitzungsorganisation müssen sich andere Vereinsmitglieder kümmern.

 

Die innere Einstellung

Weitere Gründe, warum wir lieber Ja als Nein sagen, ist unsere innere Einstellung – genauer: die Haltung zu uns selbst. Das führt zum Beispiel zu Selbstaussagen wie »Ich möchte kollegial und kooperativ sein«. Tut Ihnen nun jemand einen Gefallen – ob in der Familie, im Freundeskreis und auch am Arbeitsplatz –, handeln Sie kooperativ und kollegial, wenn Sie auch diesem Menschen einmal einen Gefallen tun. 

Leider werden diese Gefälligkeiten schon mal zur Einbahnstraße: Sie handeln aus Ihrer Sicht immer kollegial und kooperativ. Doch wenn Sie einmal von den anderen etwas brauchen, dann heißt es schnell: »Das würde ich ja wirklich sehr gerne für dich tun, nur heute geht es leider überhaupt nicht.« Das Dumme daran ist, dass Sie diese Begründung jedes Mal zu hören bekommen – es ist vermutlich eine Ausrede.

Dann sollten Sie sich von Ihrer Hilfsbereitschaft verabschieden und beim nächsten Mal auch Nein sagen.

Das Neinsagen gelingt manchmal gut und manchmal überhaupt nicht. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir uns von manchen Bitten überrumpelt fühlen und uns die Zeit zum Nachdenken fehlt. Bei manchen Menschen und in manchen Situationen fällt es uns leicht, etwas abzulehnen. Und bei anderen Menschen tun wir uns schwer. Doch es bleibt dabei: Sie müssen sich entscheiden, was Sie wollen und wo Sie Ihre Grenzen setzen.  

 

Das »Angebots-Nein«

Wenn Sie nicht Ja sagen wollen, sollten Sie deutlich Nein sagen. Die Frage dabei ist, wie Sie diese Ablehnung so formulieren, dass Ihr Gegenüber damit einverstanden ist und das Nein auch annehmen kann. Es gibt viele Möglichkeiten, angemessen und gekonnt Nein zu sagen. Eine will ich hier hervorheben.

Sie möchten eine Sache nicht komplett ablehnen, sondern sich lieber zu einem späteren Zeitpunkt damit beschäftigen? Dann hilft das »Angebots-Nein«.

 

Neinsagen am Arbeitsplatz

Beispiel: Eine Kollegin kommt auf Sie zu und bittet Sie um Unterstützung bei einer schwierigen Aufgabe. Sie kennen die Lösung, haben im Moment allerdings genug eigene Arbeiten zu erledigen. Das Angebots-Nein lautet: »Emma, ich kann dich gerne heute Nachmittag dabei unterstützen. Ich melde mich nach der Mittagspause bei dir, wenn ich Zeit dafür habe.«

Jetzt haben Sie Ihre Unterstützung nicht abgelehnt, sondern ein Angebot an die Kollegin gemacht, wann Sie ihr helfen können.

Der Trick dabei ist, dass Sie noch nicht einmal Nein gesagt haben. Sie haben Ihre Ablehnung positiv formuliert, indem Sie in den Mittelpunkt gestellt haben, was Ihnen möglich ist.

Schlecht formuliert sind Angebote, die wir erst rechtfertigen: »Du, Emma, ich würde dich ja gerne unterstützen. Aber ich habe jetzt noch so viel zu tun. Das geht jetzt leider überhaupt nicht. Aber heute Nachmittag wäre es möglich. Da kann ich dir helfen.« Die negativen Aussagen zu Beginn dieser Botschaft überlagern das positive Angebot am Schluss der Formulierung.

Achten Sie darauf, dass Sie immer sagen, was geht – und nicht, was nicht geht.

 

Neinsagen privat

Ein anderes Beispiel: Eine Freundin ruft Sie am Nachmittag an Ihrem Arbeitsplatz an und lädt Sie ein, mit ihr am Abend ins Theater zu gehen: »Ich habe zwei Karten für die Vorstellung – und wir haben uns ja so lange nicht gesehen.« Sie möchten jedoch lieber am Abend abschalten und ausspannen. Hier könnten Sie das Angebots-Nein anwenden und sagen: »Ich würde sehr gerne am Wochenende mit dir ins Theater gehen. Heute bin ich müde und geschafft.«

Und noch ein Beispiel: Sie sind Mitglied in einem Verein und haben sich bereit erklärt, während der Mitgliederversammlung das Protokoll zu führen. Wenn Sie jetzt auch noch die Einladungen und die Sitzungsorganisation übernehmen sollen, dann können Sie dies ebenfalls mit einem Angebots-Nein ablehnen: »Ich habe euch versprochen, dass ich die Protokollführung übernehme. Gerne sorge ich dafür, dass ihr das Protokoll auch schnell nach der Versammlung bekommt. Alles andere organisiert bitte untereinander.«

 

Zwei Dinge, die Sie beachten sollten

 Und noch ein Hinweis. Generell sollten Sie zwei Dinge beim Neinsagen beachten:

  • Kein »Nasenfaktor«

Wenn Sie sich entschließen, anderen Personen gegenüber etwas abzulehnen, dann sollten Sie das nicht vom »Nasenfaktor« abhängig machen. Es sollte nicht darum gehen, ob Ihnen die Nase von jemandem gefällt oder nicht. Wenn Sie zum Beispiel an Ihrem Arbeitsplatz Grenzen ziehen wollen, dann tun Sie das bei allen. Das heißt, Sie machen Ihr Nein eben nicht davon abhängig, ob Ihnen Ihr Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Wenn Sie diese Regeln missachten, schaffen Sie damit Unmut in Ihrem Umfeld – und das sollten Sie auf jeden Fall vermeiden.

  • Kein Meckern-und-Machen

Ihre Kinder haben gekocht – und anschließend die Küche nicht aufgeräumt. Nun beseitigen Sie das Chaos. Wenn Sie jetzt dabei gegenüber Ihren Kindern meckern und sich beschweren, warum Sie das jetzt alles sauber machen müssen, dann werden Sie nicht ernst genommen. Meckern und machen bringt leider keine Akzeptanz. Entweder Sie entschließen sich, das Chaos der Kinder zu beseitigen – dann lassen Sie das Meckern sein. Oder Sie entscheiden sich, dass die Kinder aufräumen müssen – dann sagen Sie konsequent Nein.

 

Fazit: Neinsagen trainieren

Gekonnt Nein zu sagen, ist eine Fähigkeit, die Sie trainieren müssen. Das fällt nicht vom Himmel. Lassen Sie die Alltagssituationen vor Ihrem inneren Auge Revue passieren, in denen Sie gerne Nein sagen würden. Und stellen Sie sich vor, wie Sie Ihre Nein-Botschaft formulieren. Gelingt es nicht, bitte nicht ärgern, sondern weiter trainieren.

Viel Erfolg beim Neinsagen wünscht Ihnen

Antje Barmeyer

 

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